Betroffene testen den Passbildautomaten im Kreisverwaltungsreferat

Ein Bericht von Melanie Egerer, Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.:

Der Ausweis oder Reisepass ist abgelaufen und es muss schnell ein Passbild her, doch keiner hat Zeit, Sie zu begleiten? Dann probieren Sie den neuen Passbildautomaten im Kreisverwaltungsreferat aus, der für blinde und sehbehinderte Nutzer selbständig zu bedienen ist.

Meine sehbehinderte Kollegin Frau Freitag und ich haben den Automaten getestet.

An der Info im KVR fragten wir nach dem Fotoautomaten für Blinde und Sehbehinderte. Sofort begleitete uns eine Dame und brachte uns zunächst zum Automaten für Rollstuhlfahrer. Als wir betonten, dass wir den blinden- und sehbehindertengerechten Automaten suchten und das dies eine Extra-Kabine sein müsse, brachte sie uns zum Automaten direkt daneben.

 

Wir wurden von einer freundlichen Stimme im Automaten begrüßt und ich setzte mich auf den Drehstuhl. Zunächst blieb die Stimme nach dem Willkommensgruß stumm. Als ich noch einmal aufstand und die Kabine erneut betrat, wurde ich per Sprache angewiesen, auf den Monitor zu tippen. Ich verwechselte zuerst die Glasfläche, in die man schauen muss, um das Bild machen zu können mit dem Monitor, doch als sich nichts tat, fühlte ich weiter unten eine weitere glatte Fläche, die sich als Monitor herausstellte.

Ich wurde aufgefordert, den Stuhl in die richtige Position zu drehen. Die Sprache war deutlich und in einem angemessenem Tempo, nur am Anfang war ein leichtes Knacken zu hören.

Oben rechts in der Ecke an der Wand befindet sich eine Markierung, an der man sich ausrichten kann. Diese Markierung muss in etwa auf Augenhöhe sein. Dies ist etwas schwierig und man muss mehrere Male nachmessen, um die richtige Höhe zu erreichen.

Dann wurde erklärt, dass man das Geld einwerfen muss und wieviel die Passbilder kosten. Der Schlitz für das Geld war gut auffindbar.

Nun sollte ich in Richtung Stimme blicken und den Kopf gerade halten und wichtig für biometrische Bilder, bitte nicht lachen!

Der Automat macht insgesamt 3 Bilder, nur das letzte Foto war bei mir für ein biometrisches Passbild tauglich. Die Sprache sagt an, dass nur die grün unterlegten Bilder tauglich seien. Dies kann man aber als Blinder nicht wahrnehmen. Am Ende könnte man zwischen den drei Bildern wählen, das ist jedoch für eine blinde Person nicht möglich. Sie erhält das erste biometrische Bild, das der Automat gemacht hat.

Es wird noch erläutert, dass die Bilder nun außen an der Kabine abgeholt werden können. Hier wäre ein Hinweis  zur ungefähren Höhe hilfreich gewesen, da ich schon eine Weile suchte, bis ich den Ausgabeschlitz fand.

 

Als nächstes testete Frau Freitag den Automaten.

Für sehbehinderte Personen ist der Betrag, den man eingeworfen bzw. den man zu zahlen hat nur schwer lesbar, da er in rot auf blauem Hintergrund geschrieben ist.

Unangenehm ist auch, dass sich neben der Glasscheibe in die man beim Fotografieren schauen muss, links und rechts zwei Leuchtkörper befinden, in die man direkt schaut und dadurch geblendet wird.

Das Auswählen der Bilder geht für einen Sehbehinderten auch nur begrenzt, da der Automat sehr schnell, nachdem man nicht aktiv wird, eines auswählt und man z.b. keine Zeit hätte, seine Lupe herauszuholen, um die Fotos betrachten zu können.

Wenn man ein Bild auswählt, wird dies mit einem Piepen quittiert.

Von meiner sehbehinderten Kollegin ließ ich meine Bilder begutachten: Für einen Ausweis allemal tauglich und die Sitzhöhe war gut eingestellt!!!

Auch die Bilder von Frau Freitag sind für einen Pass oder einen Ausweis durchaus geeignet.

Unser Fazit: für ein schnelles Foto ist der Automat für Blinde und Sehbehinderte selbstständig nutzbar!

 

Außerdem gibt es jetzt im Kreisverwaltungsreferat einen Passbildautomaten für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer. Den Artikel dazu finden Sie hier.

 

 


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