Vortrag mit Diskussion
08.10.2013
19.00 bis 21.00 Uhr
MVHS im Gasteig
Rosenheimer Str. 5, 81667 München
(rollstuhlgerechte Veranstaltung)
Anmeldung erwünscht
Dr. Elsbeth Bösl (Technische Universität München):
Eingliederung und Normalisierung. Behindertenpolitik bis Ende der 1960er Jahre
Von der Warte der kulturalistisch orientierten Disability History aus diskutiert der Vortrag die Herstellung von Behinderung und die Formierung der Behindertenpolitik in der frühen Bundesrepublik.Als Teil des empanzipatorischen Projekts erforscht die Disability History, wie und in welchen sozialen und kulturellen Kontexten Menschen auf der Basis bestimmter körperlicher, psychischer oder mentaler Merkmale den Kategorien >behindert< und >normal< zugeordnet werden. >Behinderung< oder >Normalität< sind demnach keine individuellen Eigenschaften, sondern Kategorien, die innerhalb des Gesellschaftssystems in Abhängigkeit voneinander hergestellt werden - in wissenschaftlichen und politischen Diskursen, in Bürokratie und Institutionen und in der Alltagswelt.
Dr. Wilfried Rudloff (Universität Kassel):
Konjunktur und Krise: Behindertenpolitik, Behindertenbegriff und Behindertenbewegung 1969 - 1989
In den frühen Jahren der sozialliberalen Koalition, von den späten Sechzigern bis zur Mitte der siebziger Jahre, erlebte die Behindertenpolitik in der Bundesrepublik eine Periode gesteigerter Reformbereitschaft. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen büßte der behindertenpolitische Aufschwung allerdings schon bald wieder an Elan ein. Der Vortrag diskutiert die Erfolge und Grenzen der behindertenpolitischen Reformbemühungen jener Epoche und ordnet sie in den allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Zeitrahmen ein. In die behandelte Zeitperiode fällt dabei auch das Entstehen einer neuen Behindertenbewegung, die den vorherrschenden Behindertenbegriff und die überkommenen Muster der Behindertenpolitik grundsätzlich in Frage stellte.
Veranstalter: Evangelische Akademie Tutzing